Österreich & Südtirol
Starke Storys: Frauen in der österreichischen Alpenhotellerie
17.02.2026
Vom Bregenzerwald bis in die Steiermark führen Frauen Hotels, die mehr sind als Unterkünfte – sie sind gelebte Visionen. Die einen treten in Fußstapfen von Generationen vor ihnen, die anderen kehren aus London, Namibia oder Kopenhagen zurück, um ihre eigene Handschrift zu hinterlassen. Was Antonie Metzler, Margret Forstinger, Ursula Windisch, Sabine Weissensteiner, Bettina Tiefenbacher und Anna Sattler eint: Sie schaffen Orte der Gastlichkeit mit Haltung und stehen stellvertretend für eine neue Generation von Gastgeberinnen.
Antonie Metzler, Genießerhotel Das Schiff in Hittisau, Bregenzerwald
Ein Schiff im Bregenzerwald? Die Geschichte dahinter geht bis 1840 zurück – heute führt Antonie Metzler das Genießer- & Romantik Hotel Das Schiff in fünfter Generation. Insgesamt sechs Frauen halten hier das Ruder in der Hand. „Wir machen unsere Arbeit und müssen nicht betonen, dass wir das als Frauen tun", sagt Metzler mit einer Selbstverständlichkeit, die mehr Gewicht hat als jeder Slogan. Ihre beiden Töchter Anna und Eva führen mittlerweile das Nachbarhotel OXA, das urbane Leichtigkeit in den Bregenzerwald bringt. Im Schiff selbst geht es um authentische Gastlichkeit, „mit weit mehr als Sternen, Hauben und Lilien", wie die Gastgeberin formuliert. Genuss ohne Trommelwirbel eben. www.schiff-hittisau.com
Margret Forstinger, Hotel Forstinger in Schärding, Oberösterreich
Margret Forstinger weiß, was es bedeutet, in Fußstapfen zu treten. Seit 1927 führt ihre Familie das Boutiquehotel Forstinger in Schärding, sie selbst in vierter Generation. „100 Jahre Familiengeschichte verpflichten – aber sie beflügeln auch", sagt sie. Jedes der 23 Zimmer ist ein Unikat. Behutsam integriert in die Altbausubstanz, inspiriert vom Inn und der unter Denkmalschutz stehenden Silberzeile. Was die Gastgeberin besonders macht, zeigt sich in Details: Im ersten Stock empfängt das stylisch blaue Frühstückscafé „Magas Deli" mit einem Zero-Waste-Konzept. „Es gibt Menschen, die den Unterschied zwischen nachhaltiger Lieferkette und beliebigen Lebensmittel schätzen", erklärt sie. Stammgäste sind Trumpf – eine Gruppe Fliegenfischer kehrt seit 48 Jahren zurück. „Authentische Gastfreundschaft entsteht nicht durch Konzepte, sondern durch Herzblut", bringt Forstinger es auf den Punkt. www.hotel-forstinger.at
Ursula Windisch, Genießerhotel Der Bär in Ellmau, Tirol
Ursula Windisch trägt die Welt in sich. Mit österreichischen Eltern in Namibia aufgewachsen, führte sie ihr Studium nach Kapstadt, später der Job nach London – bis sie in Berlin den Hotelierssohn Andreas Windisch trifft und in Ellmau am Wilden Kaiser Wurzeln schlägt. „Ich sehe mich als freien Menschen, der sich in keine Schubladen stecken lässt", erzählt sie. Ihre Kindheit auf einer großen Farm mit vielen Einheimischen hat sie geprägt: „Fließendes Wasser aus dem Wasserhahn wird für mich immer etwas Wertvolles sein." Diesen kosmopolitischen Geist, die unvoreingenommene Art Menschen zu begegnen, bringt sie heute ins Genießerhotel Der Bär ein. „Neben unserem beglückend schönen Ausblick und allem Komfort sind unsere Mitarbeiter wirklich das Wertvollste", sagt Windisch. Mit Gelassenheit und tiefer Wertschätzung prägt sie das Haus. www.hotelbaer.com
Sabine Weissensteiner, Genießerhotel Sonnalp in Obereggen, Dolomiten
Sabine Weissensteiner führt das Genießerhotel Sonnalp in Obereggen am Fuße des Latemar. Zudem gestaltet sie gerne, die neue Bar und Lobby tragen ihre Handschrift. Nach ihrem Studium in Florenz und mehreren Auslandsaufenthalten kehrte sie zurück in jenes Tal, das sie ihre Heimat nennt. Gemeinsam mit ihrem Bruder David übernahm sie Schritt für Schritt das Hotel von den Eltern. „Einer für alle, alle für einen", lautet die Devise im Sonnalp. Eine Glücksformel, die aufgeht. Sabines Lieblingsplatz im Winter? Die Skipiste Mayrl oder die Torre di Pisa, die sie direkt zum Einkehrschwung zu Freunden auf die Baita Gardoné bringt. Im Sommer sind es die Bletterbachschlucht, wo 40 Millionen Jahre Erdgeschichte sichtbar werden, oder der smaragdgrüne Karersee. „Alle sollen sich bei uns so wohlfühlen wie wir es tun", so die Gastgeberin. www.sonnalp.com
Bettina Tiefenbacher, Salzburgerhof in Zell am See, Salzburger Land
Bettina Tiefenbacher kennt keine Umwege. Mit 21 Jahren begann sie als Rezeptionistin, fünf Jahre später war sie Direktionsassistentin von Gisela Holleis, mit 30 Vizedirektorin im Grand Hotel Zell am See. Ihre größte Herausforderung? „2000 in Kroatien als Frau Hoteldirektorin zu sein." Sie meisterte sie. Nach Stationen in Rovinj und Crikvenica leitet sie seit 2023 den Salzburgerhof in Zell am See. Was würde sie anderen Frauen mitgeben? „Authentizität und Selbstbewusstsein. Bleiben Sie sich treu und imitieren Sie nicht den männlichen Führungsstil,“ so Tiefenbacher. „Vertrauen Sie auf Ihre Stärken und kommunizieren Sie klar. Erweitern Sie kontinuierlich Ihr Wissen und lassen Sie sich nicht entmutigen!" Was sie heute anders machen würde als vor 25 Jahren? „Nichts! Alles war gut und richtig, wie es gekommen ist.“ www.salzburgerhof.at
Anna Sattler, Sattlerhof in Gamlitz, Südsteiermark
Anna Sattler hätte bleiben können. Nach Stationen bei Alain Ducasse im Londoner Dorchester, in Macau und als Managerin im 2-Sternerestaurant Jordnaer in Kopenhagen stand ihr die Welt offen. Doch sie kehrte zurück – ins elterliche Genießerhotel samt Weingut Sattlerhof in Gamlitz. „Aber ja und mit ganz großer Begeisterung", sagt sie. „Gerade wenn man so viel gesehen hat, weiß man, dass die Südsteiermark einfach eine der schönsten Regionen ist." Was sie aus ihren Jahren in der internationalen Sternegastronomie mitgenommen hat? „Man sollte von Natur aus gerne unter Menschen sein. Den Rest lernt man – die ganzen Abläufe, das Selbstbewusstsein", so Sattler. Und: „Ich kann gar nicht sagen, wie wichtig mir das war, ins Ausland zu gehen. Man lernt immer etwas – die negativen Erfahrungen sind genauso wichtig wie die positiven." www.sattlerhof.at


















































